100 Quadratmeter Blühflächen für jeden Hektar Mais

100 Quadratmeter Blühflächen für jeden Hektar Mais

Wer in der Südpfalz unterwegs ist, dem fallen an Straßen- oder Wegrändern immer mal wieder große bunte Blühflächen auf. Viele Insekten tummeln sich dort. Große Infotafeln mit der Aufschrift „Zukunft – wir übernehmen Verantwortung“ erklären, was es mit den bunten Pflanzen auf sich hat. Dahinter steckt eine Initiative zweier großer Südpfälzer Unternehmen.

18 verschiedene Kräuter und Blühpflanzen, darunter Phacelia, Klatschmohn, Inkarnatklee, Malve, Ringel- und Kornblumen, locken zum Rasten und Schauen. Unzählige Bienen und Hummeln summen und brummen über die Blühflächen, Schmetterlinge schweben darüber. Die Idee dazu stammt von der Cornexo GmbH aus Freimersheim. Die Maismühle hat sich die Raiffeisen Warenhandelsgesellschaft Südpfalz (RWS) aus Herxheim mit ins Boot geholt, um mit dem Projekt einen Beitrag für den Umweltschutz und zum Erhalt der Artenvielfalt zu leisten.

Dafür hat Cornexo bei der RWS eine einjährige, an die hiesige Witterung angepasste „Südpfälzer Blühmischung“ bestellt, die extra zusammengestellt wurde. „Wir haben darauf geachtet, dass im Jahresverlauf immer etwas blüht und keine Pflanzen dabei sind, die für den nachfolgenden Anbau Probleme machen“, erläutert RWS-Geschäftsführer Karlheinz Müller. „Falsche oder giftige Pflanzen würden Probleme bei der Verarbeitung von Mais machen“, informiert Patrick Bindewald, Geschäftsführer der Cornexo GmbH, die ausschließlich Mais mahlt und verarbeitet, woraus unter anderem Tortillachips und Erdnussflips produziert werden.

Zehn Kilogramm Samen pro Hektar

20 landwirtschaftliche Betriebe, die Mais anbauen, machen beim Blühflächen-Projekt mit. Dazu gehört auch die Paul GbR aus Steinfeld. Markus Paul hat Ende April mit der Aussaat der „Südpfälzer Blühmischung“ begonnen. Jeder Bauer sorgt auf einem Hektar, möglichst in der Nähe der Maisäcker, für blühende Landschaften. Dafür werden zehn Kilogramm Samen benötigt. Die Gesamtblühfläche muss wegen der ökologischen Wirksamkeit auf mindestens drei Flächen aufgeteilt sein. Bei Paul entspricht dies fünf Prozent der Mais-Anbaufläche. „Wir haben noch einige Sonnenblumenkörner mitgesät, die auch schön aufgegangen sind“, freut sich Gerhard Paul über zusätzliche Blütenpracht. Er steht voll hinter der Initiative und will die Blühfläche erst im kommenden Frühjahr abmulchen. „Vielleicht samen die Pflanzen genug aus, um im nächsten Jahr wieder so schön zu blühen“, hofft er.

Allerdings hat er schon festgestellt, dass die Blumenwiesen des Öfteren zweckentfremdet werden – obwohl Infotafeln auf ihre Bestimmung hinweisen. „Viele bedienen sich einfach und nehmen ganze Sträuße mit nach Hause. Dafür ist es nicht gedacht, sondern für die Insekten“, appelliert Paul. Grundsätzlich kämen die Blühflächen sehr gut an, zumal auch der hohe Mais dadurch in den Hintergrund rücke, berichtet er von zahlreichen positiven Rückmeldungen.

Cornexo arbeitet mit 250 Landwirten zusammen

Cornexo hat das Projekt 2019 als Teil seines Anbaukonzepts initiiert. Die Maismühle hat eine Kooperation mit der RWS, die wiederum Vertragspartnerin und Beraterin der Landwirte ist, mit dem Ziel einer möglichst nachhaltigen Bewirtschaftung, wie die Unternehmen erklären. Zu der Erzeugergemeinschaft gehören 250 Landwirte im Umkreis von 60 Kilometern um die Freimersheimer Mühle. „Damit wird die regionale Landwirtschaft und die Stärkung des ländlichen Raums gewährleistet“, sagt Bindewald.

Das Blühflächen-Projekt soll für 2021 weiterentwickelt werden. Viele Landwirte hätten schon Interesse angemeldet, berichtet Bindewald. „Ziel ist es, für jeden Hektar Mais, der für uns angebaut wird, 100 Quadratmeter Blühfläche zu generieren.“

Cornexo

Die Cornexo GmbH Freimersheim gehört zur Bindewald-Gutting-Mühlengruppe. Alle anderen sieben Standorte des Verbundes sind reine Getreidemühlen. Rund 1,4 Millionen Tonnen Getreide werden in der Gruppe verarbeitet. In Freimersheim sind 30 Mitarbeiter beschäftigt. Das Blühprojekt ist in der gesamten Mühlengruppe 2019 gestartet. Bundesweit wurden 200 Hektar Blühflächen angelegt.

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